Studie zeigt, warum alle hippen Menschen gleich aussehen

Für jeden Hipster stehen Individualität und Abgrenzung vom Mainstream an erster Stelle. Eine aktuelle Studie zeigt nun aber, dass alle sich letztendlich doch gleich verhalten.

Und jetzt im Chor: Wir sind alle individuell. Foto: Seth Doyle / Unsplash | CC0

Man nehme eine dicke, schwarze Hornbrille, füge einen gepflegt ungepflegten Vollbart hinzu und rühre ein rot-schwarz kariertes Flanellhemd unter. Anschließend das Gemisch kurz ruhen lassen und dabei wahlweise Adorno oder Walter Benjamin vorlesen, bevor eine deftige Prise Tattoos, Wollmützen, Nasenpiercings, Skinny Jeans, Longboard, Avocado-Toast und Indie Pop hinzugegeben wird. Zum Abschluss würze man die Masse noch mit einer großzügigen Prise Matcha-Pulver, füge nach Belieben Hafer- oder Sojamilch hinzu, bevor alles gemeinsam im Ofen für die Länge einer Nil-Zigarette vor sich hinbackt – fertig ist das Klischeebild des hippen Menschen.

Das Urban Dictionary definiert Hipster als Anhänger*innen einer Subkultur, „die sich zu sehr bemühen, anders zu sein […], indem sie alles ablehnen, was sie für zu populär halten.“ Für einen Hipster aus dem Klischee-Bilderbuch stehen also Individualität, Anderssein, sich von der Masse, vom verschrienen Mainstream abzugrenzen an erster Stelle der täglichen To-Do-Liste, doch geneigten Beobachter*innen fällt schnell auf: Irgendwie bedienen Hipster alle ein Klischee, tragen ähnliche Klamotten, teilen ähnliche Ansichten, trinken die gleichen Trendgetränke, hängen in den gleichen coolen-uncoolen Bars ab – von gelebter Individualität kann keine Rede sein. Diese Beobachtung konnte ein US-amerikanischer Wissenschaftler nun auch mit einer aktuellen Studie belegen. Jonathan Touboul von der Brandeis University in Waltham, Massachusetts, untersuchte in seiner Studie, warum Anti-Konformist*innen letztlich alle gleich aussehen und fand auch noch das passende Wort dafür: den Hipster-Effekt.

Erstmal ’nen Soja-Matcha-Latte

Dafür stellte Touboul eine Vielzahl an mathematischen Berechnungen, Formeln, Gleichungen auf und unterschied zwischen dem Mainstream und den Gegner*innen des Mainstreams. Mit Hilfe seiner Berechnungen fand er heraus, dass sich auch Anti-Konformist*innen nach einiger Zeit in eine gemeinsame Richtung orientieren. Das hat auch damit zu tun, dass Trends nicht immer zur gleichen Zeit überall bekannt werden, sondern es eine Weile braucht, bis diese sich als solche überhaupt etablieren können. Wie die Süddeutsche Zeitung zusammenfasst, entsteht dieser Effekt, „weil erstens das Anderssein auch ein kollektives Streben ist und zweitens Information unterschiedlich schnell durchsickert“.

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Am Ende seiner Studie bricht Jonathan Touboul es simpel herunter: „Wenn sich eine Mehrheit der Menschen den Bart abrasiert, dann wollen sich die meisten Hipster einen Bart wachsen lassen. Und wenn sich dieser Trend wieder bei einer Mehrheit der Bevölkerung ausbreitet, führt das dann wieder dazu, dass sie sich den Bart abrasieren.“ Hipster machen also so lange das Gegenteil von dem, was der Mainstream macht, bis ihnen auffällt, dass so viele es ihnen gleich tun, dass sie dann doch wieder das Gegenteil davon tun. Ganz schön kompliziert. Jetzt erstmal einen Soja-Matcha-Latte zum Runterkommen.

Kleiner Fun Fact: Die Studie, die im MIT Technology Review erschien, wurde mit dem Foto eines Mütze-tragenden Mannes bebildert. Anschließend beschwerte sich ein aufgebrachter Mann darüber, weil er glaubte, sich auf diesem Stock-Foto zu erkennen. Die Krux: Es handelte sich dabei gar nicht um den Mann. Er sah ihm nur ähnlich. Soll vorkommen bei Hipstern.

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