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So geht Maximilian mit den Höhen und Tiefen der Musik-Karriere um

Maximilian ist 24 Jahre alt und hat im Bachelor das Fach Musik Vermitteln studiert. Mit diesem Studium stand es ihm offen, Künstler oder Lehrer zu werden, also entschied er sich für beides.

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Maximilian ist nach dem Musik-Studium in seinen ersten Job gestartet. Foto: Olga Kuzminskaya

Der Arbeitsmarkt macht es Künstler*innen nicht leicht. Es kommen zu viele Absolvent*innen auf zu wenige Stellen und die Bezahlung reicht oft nicht aus. Wer dennoch am Traum von der Musikkarriere festhält, braucht ein dickes Fell.

So auch Maximilian, der an der Musikhochschule Lübeck im Bachelor Musik Vermitteln studiert hat. Nach seinem Studium ist er in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt und hat angefangen, an einer Musikschule auf Honorarbasis Geige zu unterrichten. Nebenbei arbeitet er zwar an seinen eigenen Projekten, erfährt aber zunehmend, was es bedeutet, künstlerische Träume aufzugeben. Dabei lernt er, den Spaß an der Musik trotzdem nicht zu verlieren und für sie Kompromisse einzugehen.

Im Interview erzählt uns Maximilian, wie er zur Musik gefunden hat und wie er diese Leidenschaft auch bei seinen Schüler*innen erwecken möchte.

ze.tt: Hallo Maximilian. Wie bist du zur Musik gekommen?

Maximilian: Mit sechs Jahren habe ich begonnen, Klavier zu spielen. Die Geige kam dazu, als ich acht Jahre alt war, weil ich das bei der Serie Alfred Jodocus Kwak so toll fand. Für das Abitur in Berlin bin ich auf ein Musikgymnasium gegangen und mir wurde schnell klar, dass ich Musik studieren möchte. Ich habe vom Land Berlin auch ein Stipendium bekommen und dann habe ich das Instrument, das ich am besten kann, als Hauptfach belegt, also die Geige. Da kommen im Studium noch Klavier und Gesang dazu.

Hast du dich im Studium wohl gefühlt?

Es hat mir Spaß gemacht, aber ich habe mich auch oft mit anderen verglichen und gesehen, wie hart sie arbeiten. Es war teilweise sehr deprimierend. Ich kritisierte mich oft selbst, das ist etwas, das ich von meiner ursprünglichen Geigenlehrerin eingebläut bekommen hatte. Nach Konzerten gab es nie Lob von ihr, sondern ein „Da war ja schon viel Schönes dabei.“ Das prägt einen schon.

Eine Professorin im Studium meinte dann, dass wir meine Fähigkeiten fördern können und schauen, wohin wir kommen. Doch irgendwann kommt ein Punkt, an dem dich Talent nicht mehr weiterbringt und du einfach nur hart arbeiten musst. Teils war meine Selbstkritik realistische Einschätzung, teils war sie schon Selbstzerstörung.

TK TIPP: Schätze deine Fähigkeiten richtig ein

Maximilian hat sich bereits früh mit Kommiliton*innen verglichen, was zu starken Selbstzweifeln führte. Die Coachin und Autorin Doris Brenner erklärt, dass man hier zwischen destruktiver und konstruktiver Selbstkritik unterscheiden muss: „Eine realistische Selbsteinschätzung auch im Vergleich mit anderen ist sehr wichtig. Wer klare Ziele hat, wird leichter die Motivation aufbringen, um auch hart dafür zu arbeiten. Dennoch sollte man akzeptieren, wo die eigenen Leistungsgrenzen liegen, um sich auch selbst vor überzogenem Ehrgeiz zu schützen und nicht die Freude an der Arbeit zu verlieren.“

Es hat dir trotzdem nicht den Spaß an der Sache genommen?

Es gab einen Punkt, als ich keinen Spaß mehr an der Sache hatte und mich wenig um den Geigenunterricht gekümmert, sondern meinen Fokus auf Popgesang und andere Sachen gelegt habe. Ich musste einen Gang runterschalten.

Heute bist du Geigenlehrer, wie sieht dein Alltag aus?

Ich habe den Luxus, dass ich vormittags sehr viel Freizeit habe, weil die Schüler nicht vor 15 Uhr in den Unterricht kommen. Ich habe also einen umgedrehten Tagesablauf im Vergleich zu anderen Berufstätigen, die vormittags arbeiten und nachmittags Erledigungen machen. Dann arbeite ich meistens bis abends um acht Uhr und habe immer fünf bis sieben Schüler unterrichtet. Da ich Honorarkraft bin, habe ich auch keinen richtigen Chef, sondern eine Fachbereichsleitung für Streicher. Es gibt aber niemanden, der sagen kann, dass ich noch mehr übernehmen muss. Ich muss mich selbst strukturieren.

Gelingt dir das?

Das funktioniert ganz gut. Beim Geigenunterricht muss man schauen, was Schüler und Schülerinnen mitbringen. Das muss man im Kopf strukturieren: Wo muss ich anpacken? Wie führe ich sie zum Problem hin und wie kriege ich es hin, dass sie das Problem selbst lösen? Was mache ich, wenn sie nicht üben? Es ist sinnlos, da weiterzuarbeiten, wo man letzte Woche aufgehört hat, wenn sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Wie gehst du vor, wenn Schüler*innen nicht üben?

Meine Klavierlehrerin hat mal zu mir gesagt: Wer das eine will, muss das andere mögen. Man kann nicht etwas spielen wollen, aber nichts dafür tun. Ich habe eine Schülerin, die nie geübt hat und nicht spielen wollte. Wenn ich versucht habe, etwas zu ändern, dann sagte sie, dass sie keine Lust hat. Ich lasse das wirklich nicht an mich ran.

Ich kenne Lehrer, die ihre Schüler einfach nach Hause schicken, wenn sie nicht geübt haben, und die Stunde dann nachholen. Aber so möchte ich nicht vorgehen. Ich übe eher so eine Art selbstwirksames Disziplinieren aus: Sie sollen erkennen, dass sie sich mit ihrem Verhalten nur selbst im Weg stehen.

Hattest du schon Erfolge?

Ich hatte mal einen Schüler, der von seiner Grundschullehrerin sehr entmutigt wurde. Er wollte nie wieder auftreten. Als seine Mutter ihn bei mir zum Vorspielen vorbeigebracht hat, hat er gezittert wie Espenlaub. Um ihn nicht alleine dem Stress auszusetzen, habe ich mit ihm zusammen vorgespielt – zu zweit ist ja immer leichter. Aber jetzt denkt er anders übers Vorspielen und merkt, dass das gar nichts Schlimmes ist. Er hat mittlerweile mehr Spaß und verbessert sich. Ich bin sehr stolz, wenn meine Schüler mitmachen und auch einen Biss entwickeln.

Wie sieht dein Verhältnis zu anderen Lehrer*innen aus?

Ich kannte viele Leute an meiner Musikschule schon, weil ich selbst dort Schüler war. Ich kam gut an und habe viele Kollegen, die ich sehr mag. Wir sehen uns leider nicht oft, weil jeder in seinem Zimmer sitzt und die eigenen Schüler unterrichtet. Aber bei gemeinsamen Projekten arbeiten wir zusammen, was immer sehr schön ist. Dennoch muss man, wie überall, vernünftig miteinander kommunizieren.

Wenn du auf dein Studium und deine Träume zurückblickst, bist du zufrieden mit deinem Job?

Ich bin sehr froh darüber, weil es nach einem Musikstudium deutlich schlechter hätte laufen können.

Warum machst du dennoch jetzt deinen Master?

Der Job an der Musikschule macht mir zwar Spaß, aber als Freiberufler hat man wenig Sicherheit. Das Gehalt schwankt, Schulferien und Feiertage werden nicht bezahlt. Zwischenzeitlich war ich kurz als Aushilfe an einer Grundschule tätig und habe gemerkt, dass mir die Arbeit da Spaß macht. Deswegen und natürlich auch wegen der finanziellen Sicherheit habe ich mich für das erneute Studium auf Gymnasiallehramt entschieden.

TK TIPP: Was ist dir im Job wichtig? 

Gerade Künstler*innen schwanken oftmals zwischen ihrer Leidenschaft für die Kunst und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Maximilian hat einen Kompromiss zwischen beidem gefunden. Die Coachin Doris Brenner weiß, wie man die eigenen Prioritäten ermitteln kann: „Je frühzeitiger man sich mit den unterschiedlichen beruflichen Optionen beschäftigt, umso klarer wird das Bild der eigenen beruflichen Alternativen. Das bedeutet, mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, die sich beruflich dort bewegen, wo man selbst hin will. Wie sind deren Erfahrungen? Worauf sollte man achten? Was sind erfolgskritische Faktoren?“

Welche Sorgen haben dich belastet, als du nach deinem Studium zurück nach Berlin gekommen bist?

Ich musste damals zunächst bei meinen Eltern unterkommen, weil ich keinen Job hatte und dachte wirklich: „Wie soll ich hier eine Wohnung bezahlen?“ Das war eine Phase, in der ich mich tatsächlich fragte, was ich getan habe. Alles war kompliziert und anstrengend, die Unsicherheit hat mich beschäftigt, gestresst und viel Schlaf gekostet.

Als ich dann den Job gefunden habe, hat mich das aus dem Loch geholt. Auch wenn die finanzielle Lage auch jetzt noch ein bisschen belastend ist. Vor allem, wenn man größere Anschaffungen machen muss. Ein neuer Geigenkoffer kostet beispielsweise 500 Euro. Ich brauche einen, denn das ist Arbeitsmaterial. Gleichzeitig muss ich für Juni und Juli Geld zurücklegen, weil ich dann zwei Monate kein Einkommen haben werde. Solche Sorgen nagen sehr an mir.

TK TIPP: Plane deine Finanzen

Wer wie Maximilian selbstständig arbeitet, kennt das Problem mit dem unregelmäßigen Einkommen. Doch wie behält man den Überblick über die Finanzen? Der Diplom-Psychologe Hans-Georg Willmann kennt die Antwort: „Da hilft eine saubere Auflistung aller monatlichen Fixkosten und durchschnittlichen variablen Kosten. Fixkosten sind: Miete, Nebenkosten, Handy-Vertrag, gegebenenfalls Autoversicherung, Steuer, Krankenversicherungsbeitrag, freiwilliger Rentenbeitrag bei Freiberuflern, weitere Versicherungen wie Privathaftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung. Hinzu kommen variable Kosten für Essen und Trinken, Kleider, Ausgehen, Kultur, Urlaub, etc. Unterm Strich steht eine Zahl, die im besten Falle kleiner ist, als das, was im Monat an Geld reinkommt.“

Was sind deine Methoden, um mit diesem Stress umzugehen?

Ich habe mit dem Job-Start eine ambulante Psychotherapie angefangen, weil ich mit mir selbst nicht mehr klarkam. Man bekommt nicht mehr die extrinsische Motivation vom Studium, sondern muss sich intrinsisch motivieren. Plötzlich ist man dieser Ohnmacht ausgeliefert, die der Arbeitsmarkt einem beschert.

Ich dachte, kein Mensch könne mich leiden, ich nerve alle und sei nur eine Belastung. Den Ausschlag für die Therapie gab aber eine gescheiterte Beziehung, in der er sagte: „Ich kann nicht mehr mit dir umgehen, du musst mit einem Psychologen reden.“

Ich dachte, kein Mensch könne mich leiden, ich nerve alle und sei nur eine Belastung.

Maximilian

Ich hatte ein richtiges Selbstwertproblem. Dieser zusätzliche Existenzstress war dann einfach zu viel. Die Therapie hat mir sehr dabei geholfen, mit Altlasten aufzuräumen und mir die Stärke gegeben, mich mit dem Jetzt auseinanderzusetzen.

TK TIPP: Professionelle Unterstützung

Wenn das private sowie das berufliche Umfeld zu einer zu großen Belastung werden, die man alleine nicht mehr tragen kann, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Der Diplom-Psychologe Hans-Georg Willmann bestätigt, wie wichtig das ist: „Besonders im künstlerischen Bereich und generell bei Studienfächern, die keine konkrete Berufszuordnung haben, kann man sich als Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger auf dem Arbeitsmarkt verloren fühlen. Wenn dann noch eine persönliche Krise dazukommt, kann einem das schnell den Boden unter den Füßen wegziehen. Da ist es klug, sich Hilfe von außen zu holen. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, niedergelassene Psychologen, psychologische Ambulanzen, professionelle Karriereberater und Coachs, an die man sich wenden kann.“

Du hast vorhin von eigenen Projekten gesprochen. Helfen sie dir, deinen Kopf freizubekommen?

Ich habe mit Songwriting angefangen und gerade bin ich dabei, eine Kabarettshow zu planen. Heute Nachmittag habe ich außerdem eine Probe mit einem Orchester. Allerdings bin ich dank der Musikschule nicht auf Engagements angewiesen und bewahre so mein Hobby. Nebenbei moderiere ich in einer kleinen Location Varieté-Shows. Das hat wieder diese Show-Komponente, die meine absolute Komfortzone ist.

TK TIPP: Tschüss, Perfektionismus!

Maximilian ist durch und durch ein Perfektionist, ob an der Geige oder in der Freizeit auf der Bühne. Doch das verursacht auf Dauer Stress, meint auch der Coach und Autor Hans-Georg Willmann: „Perfektionismus ist psychologisch gesehen ja nichts anderes als eine ‚gute‘ Strategie gegen Versagensangst. Aus Angst vor Fehlern oder davor, so, wie wir sind, nicht okay zu sein, neigen wir manchmal zum Perfektionismus. Dann wollen wir alles planen, durchdenken, überprüfen und eben fehlerfrei machen – und blockieren uns damit selbst. Wir machen uns handlungsunfähig, weil es unmöglich ist, Fehler zu vermeiden. Es hilft, sich klarzumachen, dass kein Mensch absichtlich gerne Fehler macht. Fehler passieren, jedem, zu jeder Zeit und überall auf der Welt. Und jeder Fehler ist eine Lernchance.“

Auf der Bühne zu stehen, ist für andere das genaue Gegenteil einer Komfortzone.

Während ich auftrete, habe ich noch den inneren Kritiker in mir. Aber einfach so da oben zu stehen und den Spaß auszustrahlen, gibt mir viel. Den Perfektionismus habe ich aus dem Studium mitgenommen, den wird man auch nicht los. Er ist ein notwendiger Selbstanspruch, der aber nicht übertrieben werden sollte. Es geht nicht darum, dass du der Weltbeste bist, sondern dass du Spaß an dem hast, was du tust!

Die Techniker Krankenkasse und ze.tt stellen euch an dieser Stelle in den nächsten Wochen zehn Protagonist*innen vor, die ihren ersten Job nach der Uni angefangen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir begleiten sie bei ihren ersten 100 Tagen im Job und finden heraus, wie das so für sie war, plötzlich im Arbeitsleben zu stecken. Auf der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe „Die ersten 100 Tage im Job“ könnt ihr unsere Protagonist*innen auch persönlich treffen. Termine und Anmeldung unter www.zeit.de/100tage. Wollt ihr mehr zur Aktion erfahren? Dann schaut hier rein!

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