Diese Karte zeigt, dass nur eine strenge Frauenquote Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft bringt

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat untersucht, wie sich Geschlechterquoten und Sanktionen auf den Frauenanteil in der Wirtschaft auswirken. Das Ergebnis: Mit Freiwilligkeit passiert fast nichts.

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Innerhalb Europas gibt es große Unterschiede bei den gesetzlichen Regelungen. © ze.tt / Elif Kücük, Manuel Bogner

Freiwillige Selbstverpflichtungen sind häufig das Mittel der Wahl, wenn Unternehmen politischem Druck entgehen wollen. Die Industrie will der Politik signalisieren: „Wir kümmern uns darum, es geht auch ohne Zwang.“ Nicht immer kommt dabei das raus, wozu sich die Unternehmen bekannt haben. Ein prominentes Beispiel, bei dem nichts passierte, stammt aus der Umweltpolitik. Im Jahr 1998 verpflichtete sich die europäische Autoindustrie, den Kohlendioxidausstoß ihrer Autos zu senken. Es passierte das Gegenteil. Es geht aber auch umgekehrt: Im Jahr 2016 hatte sich der Einzelhandelsverband dazu verpflichtet, weniger Plastiktüten in Umlauf zu bringen. Die Zahl sank seitdem tatsächlich.

„Unsere Analyse zeigt deutlich, dass man von solchen freiwilligen Empfehlungen nicht besonders viel erwarten sollte.“

Katharina Wrohlich, Autorin der Studie zu Geschlechterquoten in Europa

Wenn es allerdings um Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft geht, bringen freiwillige Selbstverpflichtungen nichts. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Paula Arndt und Katharina Wrohlich, die beiden Autorinnen der Studie, haben untersucht, in welchen europäischen Ländern welche Maßnahmen ergriffen wurden, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Die Länder lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Mit Quote steigt die Zahl der Frauen in Spitzenpositionen deutlich

Wenig überraschend: In Ländern, in denen es weder Quote noch freiwillige Selbstverpflichtung gibt, ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft besonders gering. Dann steigt der Anteil, je härter die gesetzlichen Regulierungen sind.

Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW

Sanktionen bringen’s

Innerhalb der Kategorien gibt es zum Teil große Unterschiede. So gehören etwa Italien und Deutschland beide der Kategorie Quote an. Doch Italien verfügt über eine eigene Aufsichtsbehörde. Diese überwacht, ob Unternehmen die Quote auch einhalten. Tun sie es nicht, kann die Behörde Sanktionen von bis zu einer Million Euro verhängen. Deutschland und Österreich haben als Sanktion den sogenannten leeren Stuhl. Dort bleibt ein Posten in einem Aufsichtsrat solange unbesetzt, bis das Ergebnis der Aufsichtsratswahl der Quote entspricht.

Auch die Härte dieser Sanktionen wirkt sich auf die Frauenquote aus. Je härter die Sanktion, desto schneller steigt der Frauenanteil. Italien führte die Quote im Jahr 2011 ein. Seitdem ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten von etwa fünf auf rund 35 Prozent im Jahr 2019 gestiegen. In Deutschland stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von rund 12 auf etwa 33 Prozent.

Wrohlich sagt selbst über ihre Studie: „Das Ergebnis hat uns auch nicht besonders überrascht.“ Dennoch sei es wichtig, dieses Ergebnis so einmal festzuhalten. Denn auch in anderen Bereichen wie Politik, Wissenschaft oder Medien würden viele Länder auf Freiwilligkeit setzen, um die Zahl der Frauen in Spitzenposten zu erhöhen. „Unsere Analyse zeigt deutlich, dass man von solchen freiwilligen Empfehlungen nicht besonders viel erwarten sollte.“

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