Fäuste im Hintern sind für Volker und Paul Hauptbestandteil ihres Sexlebens

Auch wenn Mediziner*innen davon abraten, ist Fisting eine Sexpraktik, die angewendet wird. Wir haben mit zwei Männern darüber gesprochen, wie sie dazu gekommen sind und was für sie den Reiz daran ausmacht.

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"Veganer sind immer super, weil die gleich sauber sind", sagt Volker über seine Fistingerfahrungen. Illustration: © Elif Kücük / zett

Was denkt ihr, wenn ihr euch eine geballte Faust vorstellt? Viele von euch haben vielleicht ein Bild von einem Kampf vor Augen, der für irgendjemanden mit einem blauen Auge endet. Oder ihr denkt an eine Begrüßungsgeste. Einige andere sehen in einer geballten Faust mehr als das. Menschen, die bei einer geballten Faust an den Hauptbestandteil einer Sexpraktik denken. Die Rede ist vom sogenannten Fisting.

Fisting ist eine Sexpraktik, bei der eine aktive Person mehrere Finger, eine Faust oder gleich zwei Fäuste teilweise bis zum Unterarm in den Anus oder die Vagina der passiven Person einführt. Das ganze nennt sich dann Faustverkehr oder Fistfuck. Und erfreut sich mittlerweile, namhaften Pornoseiten zu urteilen, scheinbar so einiger Beliebtheit.

Diese extreme Art der sexuellen Interaktion ist aber, wie wahrscheinlich von den meisten angenommen, nicht immer ungefährlich. So kann es beim Fisting zu Verletzungen des Anus, Schließmuskels oder Darms kommen. In Extremfällen führt diese Sexpraktik zu einer Darmperforation, das heißt, der Darm kann dabei zerreißen. Genau aus diesem Grund rät Horst Schalk, 57, von dieser Praktik ab. Er leitet in Wien eine Praxis für Allgemeinmedizin, die sich auf schwulen Männern spezialisiert hat. „Aus medizinischer Sicht sollte auf Fisting verzichtet werden“, sagt er. Die Sexpraxis sei zu risikohaft und gefährlich.

Wir haben uns gefragt, was an dieser ungewöhnlichen sexuellen Vorliebe so erregend ist. Dabei war es gar nicht so einfach, Menschen zu finden, die offen darüber sprechen wollen. Volker und Paul* haben mit uns gesprochen. Paul fistet nur privat, Volker gehört ein Sexclub in Wien, der sich auf Fisting spezialisiert hat und in dem an einem Sonntagabend, an dem wir dort waren, schon so einiges los war.

Volker, 58

ze.tt: Volker, wann hast du zum ersten Mal gefistet?

Volker: Zum ersten Mal habe ich 1989 im Berliner Club KitKat gefistet. Dort habe ich als DJ gearbeitet und jemanden getroffen, der mich gefragt hat, ob ich ihn gerne fisten würde. Ich war neugierig und habe zugestimmt. Wir haben uns dann zurückgezogen, und ich fing an. Er war zwar schon vorgedehnt, ich habe mich trotzdem langsam rangetastet. Es war toll, weil ich jede lustvolle Regung meines Partners gespürt habe – die Anspannung und Entspannung. Es war wie Sex ohne Penis.

Was findest du so reizvoll an der Sexpraktik?

Ich bin sowohl aktiv, als auch passiv. Wenn du aktiv bist, lebst du von den Reaktionen des Passiven. Es klingt zwar rough, dabei ist es gefühlvoll und intim. Du musst genau beobachten und kontrollieren, wie es deinem Partner geht. Außerdem musst du dich mit der Anatomie auskennen, sonst kann es passieren, dass du auf das Steißbein deines Partners stößt.
Wenn du passiv bist, geht es darum, das Gefühl immer weiter zu steigern. Der Druck auf die Blase und Prostata ist dabei so intensiv, dass du immer denkst, kurz vor einem Orgasmus zu stehen.

Veganer sind immer super, weil die gleich sauber sind.

Worauf achtest du beim Fisting?

Wenn du passiv bist, ist die Vorbereitung besonders wichtig. Du musst dir einen Einlauf verpassen und dich gründlich spülen. Du solltest dich dabei ballaststoffreich ernähren. Veganer sind immer super, weil die gleich sauber sind. Aktuell bin ich aber meistens aktiv. Dabei trage ich immer einen Handschuh. Das liegt aber auch daran, dass ich mich in den 80er Jahren, während der Aids-Krise, geoutet habe. Das hat mich ziemlich geprägt. Im Gegensatz zu anderen Sexpraktiken nimmt der Handschuh als Schutz beim Fisting auch keine Sensibilität.

Wie viel kann ein passiver Fister aushalten?

Ich habe einmal zwei Fäuste inklusive Unterarm und einem Fuss in einen meiner Partner reinbekommen.

Hattest du schon einmal einen Fisting-Unfall?

Ich war einmal auf einer Party. Ein Kerl hat mich gefistet und war dabei ziemlich grob. Ich wurde dann ohnmächtig und habe daraufhin die gesamte Nacht geschlafen. Am nächsten Tag wurde ich wach, hatte schreckliche Schmerzen und bin sofort ins Krankenhaus. Dort stellte sich heraus, dass ich mehrere kleine Risse in der Darmwand hatte. Und eine Blutvergiftung. Mir wurden dann die Risse im Darm zugeklammert, und mein Bauch wurde durch zwei Schnitte in den Leisten von innen mit Wasser gespült. Es ist nämlich möglich, dass durch Risse an der Darmwand Fäkalien in die Bauchhöhle gelangen. Das war schrecklich. Danach war ich 15 Jahre nicht mehr passiv.

Paul*, 33

ze.tt: Paul, wann hast du zum ersten Mal von Fisting erfahren?

Paul: Ich habe vor mehr als zehn Jahren, als ich 19 Jahre alt war und noch bei meinen Eltern gewohnt habe, online von Fisting erfahren. Gewöhnlicher Sex war mir schon damals zu langweilig und ich wusste, dass ich mehr brauche. Mein erstes Mal hatte ich dann mit meinem ersten Freund. Wir haben zuerst einen Film geschaut, dann alles besprochen und es versucht.

Wie war dein erstes Mal?

Es war total überwältigend. Ich war passiv und dachte, ich werde in zwei Teile gerissen. Trotzdem war das Gefühl schön. Mir war klar, dass ich erst mal trainieren muss. Sowas braucht Übung. Ich hatte damals lange das Gefühl, es sei ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, immer mehr reinzubekommen – und das immer tiefer. Dabei sollte es viel mehr darum gehen, den Akt zu genießen. Natürlich willst du es immer ein bisschen steigern, aber eigentlich geht es nicht darum.

Worum geht es denn?

Ich finde Fisting sehr intim. Du musst dich komplett auf deinen Partner einlassen und Kommunikation ist dabei wichtig. Wenn ich aktiv bin, ist die Reaktion des Passiven besonders erregend. Die aktive Person muss verantwortungsbewusst sein. Dabei entsteht eine Verbindung.

Hattest du schon einmal einen Fisting-Unfall?

Mir ist noch nie etwas passiert, abgesehen von kleinen Kratzern. Ich kenne aber viele Personen, die schon einen Unfall hatten. Deshalb bin ich auch immer vorsichtig. Wenn was passiert, liegt es oft daran, dass nicht kommuniziert wurde oder weil jemand auf Drogeneinfluss nicht mehr spürt, wann es eigentlich genug ist. Ein gesunder Respekt bei der Sache ist wichtig.

* Name geändert

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