„Frau Jordan stellt gleich“ zeigt mit Humor, wie ein besseres Miteinander funktioniert

Katrin Bauerfeind ist bekannt für ihren smarten Humor und ihre Schlagfertigkeit. Nun ist sie bei dem neuen Streamingportal Joyn endlich in einer Serie zu sehen, die ihr gerecht wird. Eine Kritik

"Frau Jordan stellt gleich" ab 23. September 2019 auf Joyn.

Katrin Bauerfeind setzt sich als Eva Jordan für Gleichstellung ein. Foto: © Joyn / Julian Essink

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Das Bürgeramt: Spießertum galore, eingefahrene Bürokratieabläufe, Flurfunk und Pöstleschieberei. Und mittendrin die Gleichstellungsbeauftrage Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) und ihre drei Mitarbeiter*innen Yvonne (Natalia Belitski), Renate (Mira Partecke) und Philipp (Alexander Khuon).

Die vier haben eine Sache gemeinsam: Sie stehen nicht nur für Gleichstellung ein, sondern müssen jeden Tag aufs Neue ihren Job verteidigen. Denn kaum jemand im Amt nimmt das Team ernst oder versteht, was sie eigentlich genau arbeiten. Umso energischer kämpfen Eva und Co. gegen festgefahrene Rollenbilder, Benachteiligung von marginalisierten Gruppen und den Alltag in einer der wohl deutschesten Institutionen.

Wer jetzt eine Serie erwartet, in der permanent der Zeigefinger geschwungen wird: Davon ist Frau Jordan stellt gleich weit entfernt. Die Idee zur Joyn-Serie hatte Katrin Bauerfeind gemeinsam mit Ralf Husmann, der maßgeblich verantwortlich für den Erfolg von Stromberg warDie Geschichten von Frau Jordans Kampf gegen vermeintliche Windmühlen kommt mit einem Stromberg-ähnlichen, aber clevereren Humor daher.

Ein bisschen wie Stromberg und doch ganz anders

Auch Frau Jordan stellt gleich hat Momente, in denen man sich fragt, ob das nun echt hätte sein müssen. Die Liebeswirrungen zwischen Eva und Philipp beispielsweise wirken deplatziert. Muss es denn ständig eine obligatorische Liebelei für die Hauptfigur geben? Ein Gutes hat die Anbändelei zwischen den Charakteren: Es wird mit einem festgefahrenen Männerbild gespielt. Philipp ist kein Stereotypmann, er ist zu nett und wird oftmals, durch sein fehlendes Durchsetzungsvermögen, in eine Ecke gedrängt, in die er nicht gehört.

Die Hausserie von Joyn thematisiert auf vielen Ebenen offenen wie versteckten Sexismus sowie Benachteiligung. Mal ist es die frauenverachtende Gestaltung eines Werbeplakats, die das Trio anprangert. Mal mischen sich Eva und Co. in die Diskussion darüber ein, ob Beach-Volleyballerinnen des örtlichen Vereins wirklich „Meine Beste Seite.de“ auf der Rückseite ihrer äußerst knappen Hosen tragen sollten.

Das ist klug und zeitgeistig. Und trotzdem brechen manchmal Stromberg-Momente durch: Wenn der Obersexist Bürgermeister Brinkmann (Ulrich Gebauer) wieder einen absolut unangebrachten Spruch ablässt oder sich den Vornamen seiner Sekretärin nicht merken kann, fühlt sich Frau Jordan stellt gleich manchmal mehr nach gestrigem Stromberg-Humor an, als der Serie gut tut. Die Joyn-Serie und insbesondere Katrin Bauerfeind ist gerade dann brillant, wenn sie subtil mit Sarkasmus an die Themen rangehen kann. Von ihrem schlafgertigen Witz und ihrer Schnelligkeit leben die 25-minütigen Episoden.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Am Tollsten aber ist: Frau Jordan stellt gleich zeigt, dass der Kampf für Gleichstellung keine Einbahnstraße ist. In einer Episode argumentiert Eva klar, warum eine Kindergartengruppe sehr wohl einen Mann einstellen kann. Dann scheitert die Gleichstellungsbeauftragte wiederum an ihren eigenen Ansprüchen, als sie sich nicht für den im Rollstuhl sitzenden Kollegen Herrn Lippschitz (Sascha Nathan) einsetzen will. Persönliches Befinden und eine gewisse Abscheu gegen den schmierigen Kerl sorgen dafür, dass Eva sich davor drückt, ihn dabei zu unterstützen, eine Rollstuhlrampe zum Bordell zu bauen.

Die Serie funktioniert in diesen skurrilen Szenen so gut, weil sie zwar den Finger in die Wunde legt, ihn aber nicht ständig erhebt. Frau Jordan stellt gleich sorgt nicht nur für Lacher, sondern regt gleichzeitig zum Überdenken der eigenen Verhaltensweisen im Alltag an. Einfühlsam und auf Augenhöhe mit dem Publikum. Bitte mehr davon.

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