In Berlin wehen 30.000 Botschaften zum Mauerfall vor dem Brandenburger Tor

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls schwebt eine riesige Kunstinstallation über Berlin. Sie besteht aus Wünschen, Hoffnungen, Gedanken der Menschen zum Ende der deutschen Teilung.

Durch die Straßen Berlins wehen derzeit die ersten kalten Herbstwinde. Besonders schön wehen sie am Brandenburger Tor. Dort schwebt seit Freitag ein riesiger Teppich, bestehend aus bunten, flatternden Bändern, über die Straße des 17. Junis. Insgesamt 150 Meter ist die Kunstinstallation lang, 100.000 Bänder sind in ihr verwebt.

30.000 der Flatterbänder sind beschriftet mit Botschaften – Menschen aus der ganzen Welt konnten ihre Gefühle, Meinungen, Wünsche, Hoffnungen zur innerdeutschen Teilung formulieren. In der Woche, in der in der Hauptstadt das 30. Jubiläum des Mauerfalls gefeiert wird, schweben ihre Gedanken nun über Berlin.

30.000 Gedanken zum Mauerfall

Hier sind einige davon:

  • „Ich hoffe, dass wir alle das Zusammenwachsen noch erleben können. Wäre doch schade, wenn das später in den Geschichtsbüchern steht und wir waren nicht dabei“, schreibt beispielsweise Petra.
  • „Es gibt immer eine Chance auf Veränderung“, schreibt Anna Loos.
  • „Als die Mauer gebaut wurde, wurde ich geboren, aber am Ende sah ich sie fallen. Der schönste Tag meines Lebens“, schreibt eine unbekannte Person.
  • „Ich hoffe, andere Mauern werden wie die Berliner Mauer fallen #Tijuana/San Diego, #Belfast, #Jerusalem, #Ceuta, #Cyprus“, wünscht sich Caroline aus Köln.
  • „Der Fall der Berliner Mauer war ein Funken während der dunklen Tage in China nach Tiananmen 1989, für uns, die dort Tag und Nacht protestierten. Ich hoffe, Freiheit und Demokratie werden auch bald in mein Heimatland kommen“, schreibt Xu aus Kanada.

Die Nachrichten wurden in Hunderten von Workshops, Veranstaltungen und Aktionen zum Thema Mauerfall in Schulen, Kirchen und Festivals gesammelt. So sollte ein breites Spektrum an Meinungen aus der ganzen Gesellschaft abgebildet werden. Über einen Onlinegenerator konnten und können Menschen aus der ganzen Welt weiterhin Wünsche, Botschaften und Ideen einreichen. Steht man vor dem Brandenburger Tor, lassen sich die Botschaften nicht entziffern. Je nach Wind hängt das Netz aus Botschaften zwischen zehn und zwanzig Metern hoch. Jedoch wurden alle Nachrichten online veröffentlicht und sind dort für jede*n nachlesbar.

Ich hoffe, dass wir alle das Zusammenwachsen noch erleben können.

Petra

Sechs Monate dauerte es, die Botschaften an das kinetische Skynet anzubringen, das nun über die Straße des 17. Junis weht. Ein kinetisches Skynet besteht aus ultraleichtem Material, das dadurch die natürlichen Bewegungen des Windes nachvollzieht. Die Kunstinstallation war eine Idee des aus Los Angeles stammenden Künstlers Patrick Shearn. Ähnliche kinetische Skulpturen hat er bereits an verschiedenen Orten der Welt installiert. Laut dem Monopol-Magazin haben ihn das Schwarmverhalten von Fischen und Vögeln zu der sanft raschelnden Installation inspiriert.

Mit seiner Kunst möchte Shearn zum Denken anregen, wie er dem Tagesspiegel sagte: „Wenn wir uns alle besser kennen würden, dann würden wir uns gegenseitig nicht so viel Leid zufügen.“ Das Projekt Visions in Motion soll die unterschiedlichen Meinungen, Wünsche, Hoffnungen der Menschen sichtbar machen. Die Installation wird noch bis zum 10. November in der Straße des 17. Juni hängen. In der Jubiläumswoche zum Mauerfall finden in Berlin mehr als hundert Veranstaltungen an sieben Originalschauplätzen der Friedlichen Revolution statt.

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