Nach diesen zwei Dokus habe ich erst geheult und dann gespendet

Zwei Kurzdokus gehen gerade durchs Netz. Sie sind nicht leicht zu ertragen – und dennoch müssen wir sie aushalten. 

Ein kleines Mädchen spielt auf der Flucht, womit sie noch spielen kann.
Ein kleines Mädchen spielt auf der Flucht, womit sie noch spielen kann. © Screenshot / Escape from Syria / The Guardian

Auch wenn Sommerloch ist, tobt noch immer einer der schrecklichsten Kriege unserer Zeit. Auch wenn Sommerloch ist, flüchten noch immer Menschen aus Syrien und dem Irak über die Grenze. Das ist so erschreckend, wie es leider wenig überraschend ist. Ich weiß das, aber denke lieber an etwas anderes: Woher kriege ich heute mein gesundes Mittagessen? Die Wahrheit ist einfach schwer zu ertragen.

Und dennoch, manchmal müssen wir die Wahrheit aushalten. Ertragen, was passiert, während wir im Büro sitzen und denken, dass wir endlich – oder eigentlich: schon wieder – Urlaub brauchen und überhaupt, viel zu viel auf dem Zettel haben und eigentlich lieber Suits auf Netflix durchbingen wollen.

Gestern Abend habe ich mir zwei Dokus angeschaut, die mich fassungslos gemacht haben, weil sie mir schonungslos zeigten, was da, ein paar hundert Kilometer von Europa entfernt, seit Jahren passiert und nicht aufhört. Beide Dokus vermitteln einen gnadenlosen Eindruck darüber, wovor Menschen fliehen und was passiert, während sie fliehen. Schaut sie an, haltet sie aus, zeigt sie den Freunden von früher, die ihr jetzt lieber entfreunden würdet. Es ist wichtig.

Hilfe für Mossul

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Anfang/Mitte Juli wurde die irakische Stadt Mossul vom IS befreit. Genau zu dieser Zeit reiste Anne Thiele für das Y-Kollektiv in das Kriegsgebiet, um die Arbeit der Hilfsorganisation CADUS zu dokumentieren. Es sind bestürzende Bilder, die sie mitbringt.

Bilder von Ruinen, unter denen seit Monaten Menschen begraben liegen und von den Menschen dort als „Altstadt“ bezeichnet werden. Bilder von Kindern, die ihre Eltern verloren haben, verletzt und höchst traumatisiert sind. Und Bilder von Helfenden aus aller Welt, die unter extremen Bedingungen ihr Leben aufs Spiel setzen, um zu helfen, wem noch zu helfen ist.

Escape from Syria

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Etwas mehr als 500 Kilometer von Mossul entfernt liegt der Ort, der einst Kobane gewesen ist. Von dort macht sich die 20-jährige Rana gemeinsam mit einem Freund auf den Weg nach Europa. Rana hat zugestimmt, ihre Reise zu filmen. Sie wird von Schmugglern reingelegt und an der mazedonischen Grenze mit Tränengas und Steingeschossen attackiert. Weil sie flüchtet.

Zu sehen, wie Rana ihre Game-Of-Thrones-DVDs für die Reise einpackt oder in einem kleinen Zelt an der griechischen Grenze tagelang im Regen ausharrt und dabei Carpool Karaoke schaut, hat mir eine eigentlich selbstverständliche Erkenntnis geliefert: Rana könnte genau so gut ich sein. Der Film wurde von Anders Somme Hanner für den Guardian produziert.

Scheiße, scheiße, scheiße

Mein Abend gestern war gelaufen. Ihr wisst es nicht, aber ich weine eigentlich nie. Gestern habe ich geheult wie ein Schlosshund.

Was bleibt? Ein Gefühl von Machtlosigkeit. Und der Gedanke: Was kann ich tun? Ich habe gestern Abend noch Geld gespendet. Die Hilfsorganisation CADUS sammelt beispielsweise Geld für ein mobiles Krankenhaus.

Es gibt unzählige Stellen, an die man sich wenden kann, um zu helfen, ob nun durch Geld oder durch Tatenkraft, aber das wisst ihr alle. Diese Dokus erinnern nur noch einmal daran.

Sie zu ertragen wäre ein Anfang.