Sebastian, 19 – „Manchmal fühle ich mich einsam, wenn ich auf einer Party bin“

Der 19-jährige Sebastian ist in Seattle geboren und lebt jetzt mit seiner alleinerziehenden Mutter in Berlin. Er geht noch zur Schule und fühlte sich das letzte Mal so richtig glücklich, als er im Regen spazierte.

In der Serie Youthhood porträtieren wir junge Menschen zwischen 17 und 20 Jahren. Sie erzählen bei ze.tt, wovor sie Angst haben, wie ihr erster Kuss war, wie sie arbeiten wollen und was für sie Familie bedeutet. Sie alle sind als Digital Natives groß geworden und leben in urbanen Räumen, in denen die Mietpreise stetig steigen. Wir wollen wissen, wie es ihnen geht.

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Foto: Ralf Obergfell

Steckbrief

Name: Sebastian Star
Alter: 19
Schule: Berlin Bilingual Secondary School
Geburtsort: Seattle, Washington, USA
Wohnort: Berlin, Deutschland
Gender: Männlich

ze.tt: Sebastian, wie bist du aufgewachsen?

Sebastian: Ich bin mit meiner Mutter als Einzelkind aufgewachsen.

In welchen Momenten legst du dein Handy beiseite?

Bei persönlichen Gesprächen oder wenn ich versuche, mich zu konzentrieren. Wenn ich mit einem einzelnen Freund oder einer kleinen Gruppe von Freunden spreche. Natürlich fällt es mir manchmal schwer, mich zu konzentrieren. Insbesondere, wenn ich Widerstand gegen alles verspüre, was ich tun muss. Insbesondere, wenn ich meine Schularbeit verschleppe.

Wie siehst du die Welt 2050?

Ich sehe sie als eine Art hyperkapitalistische Dystopie. Ich meine damit, dass es schwierig ist, positiv in die Zukunft zu blicken, besonders so weit voraus, wenn ich in einer Zeit des Spätkapitalismus, ökologischen Zusammenbruchs und dem weltweiten Wiederaufleben von rechtsextremer Politik aufwachse. Ich finde das sehr befremdlich und beängstigend.

Ab wann sind Menschen für dich alt?

Ich würde wahrscheinlich sagen, etwa 65 plus. Ich denke dieses Alter ist die Zeit, in der es den Menschen schwerer fällt, mit der Welt um sich herum in Beziehung zu treten.

Wovor hast du Angst?

Ich habe Angst davor, persönliche und kreative Ziele nicht zu erreichen. Zum Beispiel, wenn ich zu gestresst bin, Songs nicht richtig schreiben oder mich nicht darauf konzentrieren kann, Gitarre zu üben. Ich habe auch Angst vor meiner Zukunft im Allgemeinen, der Verlust meines menschlichen Handelns oder meiner Identität. Ich habe das Gefühl, dass es manchmal schwierig ist, meine eigene Identität in den Griff zu bekommen, und das führt zu einem Mangel an innerer Ehrlichkeit, wenn es darum geht, was ich vom Leben will.

Ich habe das Gefühl, dass es manchmal schwierig ist, meine eigene Identität in den Griff zu bekommen

Sebastian Star, 19

Was gibt dir Hoffnung?

Wenn sich mein Leben hoffnungslos anfühlt, versuche ich normalerweise, meinen gegenwärtigen Zustand neu zu bewerten, um eine andere Perspektive auf die Dinge zu finden. Normalerweise geschieht dies durch ein System, das mir beigebracht wurde, als ich jünger war. Ich erstelle eine Liste von vier bis fünf Dingen in meinem Leben, für die ich dankbar bin. Zum Beispiel: meine Gesundheit, meine Familie, ein bestimmter Freund oder vielleicht ein bestimmtes Ereignis, auf das ich mich freue.

Wie gehst du mit Einsamkeit um?

Normalerweise rufe ich jemanden an, dem ich sehr nahe stehe oder jemanden, mit dem ich seit einer Weile nicht mehr gesprochen habe. Manchmal fühle ich mich nicht nur einsam, wenn ich alleine bin. In einigen Fällen ist es mehr ein inneres Gefühl der Einsamkeit. Ich kann auf einer Party sein und mich einsam fühlen, selbst wenn ich unter Menschen bin, die ich liebe. Für mich ist das etwas, das passiert, wenn ich unter sehr viel Stress stehe oder mich ängstlich fühle. Es kann auch ein Zeichen für mich sein, dass ich einige Zeit alleine mit mir verbringen muss.

Wie möchtest du arbeiten?

Ich möchte mit anderen Menschen zusammenarbeiten, die mir helfen können, mich selbst zur Verantwortung zu ziehen, weil ich alleine nicht gut arbeite. Ich denke, es würde mich deprimieren, wenn ich alleine zu Hause arbeiten würde. Menschliche Interaktion ist wichtig für mich, deshalb möchte ich in einem sozialen Umfeld arbeiten.

Vielleicht möchte ich auch kreativ mit Musikern zusammenarbeiten oder in einer Assistenten-Rolle. Ich habe mir auch schon überlegt, ein freies soziales Jahr in Holland zu leisten, wo ich dann in einem Hafen arbeite.

Wenn ich an einer großen Hausarbeit schreibe, arbeite ich meist bis spät in die Nacht hinein, statt früher damit zu beginnen.

Sebastian Star, 19

Was setzt dich unter Druck?

Ich würde sagen, eine Sache, die mich am meisten stresst, sind Fristen und zu erkennen, dass ich weniger Zeit habe, als ich ursprünglich dachte, um eine Aufgabe zu erledigen. Wenn ich an einer großen Hausarbeit schreibe, arbeite ich meist bis spät in die Nacht hinein, statt früher damit zu beginnen. Stets rede ich mir ein, dass ich mehr Zeit habe, als ich tatsächlich habe.

Wie war dein erster Kuss?

Mein erster Kuss war okay. Ich war 13 oder 14, als es passierte. Ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern. Es war eine Zeit in meinem Leben, als ich begann, mehr von Frauen zu wollen.

Was bedeutet für dich Familie?

Ich glaube nicht daran, dass Blut dicker ist als Wasser. In diesem Falle würde ich sagen, dass ich meine engsten Freunde als einen Teil meiner Familie betrachte. Wenn Du weder Vater noch Geschwister hast, musst du das irgendwie kompensieren.

In welchen Momenten fühlst du dich nicht ernst genommen?

Ich gebe mein Bestes, mich mit Menschen zu umgeben, die immer zuhören und meine Gedanken bestätigen. Ich würde behaupten, dass mein inneres Ego dasjenige ist, das meine Entscheidungen kritisiert und mir sagt, dass meine Ideen nicht wichtig sind. Normalerweise bin ich derjenige, der sich nicht ernst nimmt.

Das letzte Mal, als ich mich super glücklich fühlte, war bei einem regnerischen Naturspaziergang mit einem Freund in Rotterdam.

Sebastian Star, 19

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig glücklich gefühlt?

Das letzte Mal, als ich mich super glücklich fühlte, war bei einem regnerischen Naturspaziergang mit einem Freund in Rotterdam. Wir fanden eine alte Windmühle, die noch in Betrieb war. Als wir sie betraten, lud uns der freiwillige Helfer, der in der Mühle arbeitete, nach oben ein, um das Mahlen zu beobachten und die Aussicht zu genießen. Erfahrungen wie diese machen mich glücklich, weil ich es liebe, wenn Fremde so herzlich und liebenswürdig sind.

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