Warum „Pose“ die beste Serie über Mutterschaft ist

Sei, wer du sein willst, ist die Message der Serie Pose. Das gilt nicht nur für sexuelle und körperliche Identitäten, sondern auch für Familienrollen jenseits der Heteronormativität. Ein Kommentar

Blanca Evangelista, eine gute Mutter. Illustration: Elif Küçük / ze.tt

Wohl jede Mutter will eine gute Mutter sein. Aber wie wird man eine und was bedeutet das eigentlich genau? Vielleicht ist es einfach eine Entscheidung. Die man im Kreißsaal trifft oder in einem Park. So wie Blanca, die ihren Sohn Damon so lange zum Tanztraining begleitet, bis er von der renommierten Tanzschule aufgenommen wird. Und nein, sie ist keine überengagierte Helikoptermutter, die ihr Kind zu etwas zwingt, was es eigentlich nicht will.

Die Geschichte von Blanca und Damon beginnt auf einer Parkbank. Dort schläft Damon, nachdem er bei seinen leiblichen Eltern rausgeflogen ist. Auch, weil er so gern tanzt. Seinem leiblichen Vater passt das genauso wenig wie seine Homosexualität, was er mit Schlägen bekräftigt. So landet Damon auf der Bank in New York City Ende der 1980er Jahre und trifft Blanca.

Eine Ersatzfamilie für Verst0ßene

„Ein Haus ist eine Familie, die du wählst. Ich bin eine Mutter und unterstütze meine Kinder und lass sie bei mir wohnen, wenn sie wollen. Wir nehmen an Bällen teil und ich würde sehr gerne ein Kind adoptieren, das so tanzen kann wie du“, sagt sie zu Damon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen.

Die Serie Pose spielt in der queeren Ballroom-Subkultur, in den Häusern finden die „Kinder“, die von ihren Familien wegen ihrer sexuellen Orientierung verstoßen wurden, Zuflucht – und eine Ersatzfamilie. Hier darf jede*r sein, wer sie*er sein will. Mutter, Tochter, Sohn und vor allem: endlich akzeptiert, endlich frei, endlich okay.

Auf den ersten Blick ist die Serie ein Musical der sexuellen Selbstbestimmung, auch ein HIV-Drama. Doch daneben und dazwischen und darüber zeigt der diverse Cast, wie Familie sein könnte, wenn wir sie nicht heteronormativ denken würden, sondern abseits von konservativen Familienrollen und sonstigen erlernten Rollenbildern.

Familie, aber als freie Entscheidung

Als eine der Pose-Protagonistinnen, eine trans Frau, gefragt wird, ob sie ihren Penis zeigen könne, antwortet sie: „Wenn du wissen willst, wer ich bin, ist das der letzte Ort, an dem du nachsehen solltest.“

Gezeigt wird eine Welt, in der Geschlechtsidentität nicht von primären Geschlechtsmerkmalen bestimmt wird, sondern von uns selbst. Eine Welt, in der Zugehörigkeit nicht durch eine Geburt bestimmt wird, sondern durch unsere freie Entscheidung, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

In der Welt der Serie „Pose“ möchte ich gern Mutter sein.

Pose ist eine Familienutopie. Familie als selbst gewählter Ort. Familie als solidarische Gemeinschaft von Verbündeten. Familie als freies Konstrukt von Menschen, die miteinander leben, wie sie es wollen. In der Welt der Serie Pose möchte ich gern Mutter sein.


Die zweite Staffel der Serie Pose startet in Deutschland am 30. Oktober 2019 bei Netflix.

Alle Texte der Kolumne Klein und groß.

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