Welche Verhütungsmethoden für den Mann gibt es?

Für Frauen gibt es eine Vielzahl von Methoden zur Schwangerschaftsverhütung, für den Mann gibt es jedoch nur zwei gängige Methoden zur Befruchtungsverhütung. Bis jetzt.

Auch wenn die Verhütungsfrage für jede*n Sex-Partner*in wichtig ist, bleibt die Entscheidung häufig Frauensache: Circa sieben Millionen Frauen in Deutschland schlucken die Pille. Und dann gibt es noch eine Vielzahl weiterer Methoden, die sich an Frauen richten. Hormonimplantate, Depotspritzen, Verhütungspflaster, Verhütungsringe, die Kupferkette, um nur ein paar zu nennen.

Die Zahl der Verhütungsmethoden für den Mann ist hingegen überschaubar: zwei gängige gibt es – Kondome und die Vasektomie, die Sterilisation des Mannes. Das ist überschaubar, aber definitiv nicht zu vernachlässigen. Auch diese zwei Methoden sollten bei der Diskussion der Verhütungsfrage eine Rolle spielen. Denn für die Verhütung können und sollten Frauen und Männer gleichberechtigt Verantwortung tragen.

Gehört in jede Sex-Standardausrüstung: das Kondom

Lieber Mann, wenn du Sex hast oder haben willst, dann sollte ein Pack Kondome dein Essential im Nachttischchen sein. Kondome schützen nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft respektive ungewollten Befruchtung, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Aber auch nur, wenn du das Kondom richtig benutzt. Achte also darauf, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Pass auf, dass das Kondom richtig sitzt. Es gibt Kondome in unterschiedlichen Größen – mit einer Breite von 44 bis 69 Millimetern und einer Länge von 16 bis 22,5 Zentimetern. Auf Websites von Kondomherstellern und -shops kannst du deine Größe errechnen lassen. Am besten probierst du Kondome vor dem Sex einmal allein aus, um zu gucken, dass es nicht zu eng ist und reißt – oder zu weit auf deinem Penis sitzt und beim Sex abrutschen kann.

Achte auf die Fingernägel und Piercings deines*r Partner*in: Wenn ihr nicht aufpasst, können spitze Ecken und Kanten das Kondom beschädigen und futsch ist der Schutz. Um wirklich sicher zu gehen, dass du das Kondom richtig benutzt, mach’s nicht so wie bei deinem neuen Smartphone, sondern lies aufmerksam die beiliegende Anleitung.

Die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft beziehungsweise ungewollten Befruchtung bei Anwendung einer Verhütungsmethode bestimmt der sogenannte Pearl-Index. Je mehr der Wert gegen 0 tendiert, desto unwahrscheinlicher ist eine Schwangerschaft und desto sicherer ist eine Verhütungsmethode. Je höher der Wert ist (keine Verhütung liegt zwischen 30 und 85), desto häufiger kommt es bei der Anwendung der Verhütungsmethode zu einer Befruchtung und desto unsicherer ist die Methode. Beim Kondom liegt der Pearl-Index bei 2 bis 12 – bei optimaler Anwendung sogar bei 0,6.

Nummer sicher: die Vasektomie

Mit einem Pearl-Index von 0,1 ist die Vasektomie eine der sichersten Verhütungsmethoden. Es gibt unterschiedliche Operationstechniken, am Ende läuft aber jede darauf hinaus, dass beide Samenleiter im Hodensack durchtrennt werden. Der Eingriff kann unter Vollnarkose, aber auch unter örtlicher Betäubung bei dem*der Urolog*in vorgenommen werden. Das Prozedere dauert nur eine halbe Stunde.

Nach dem Eingriff bist du allerdings nicht sofort zeugungsunfähig. Es kann bis zu zwölf Monate dauern, bis sämtliche Spermien aus den oberen Abschnitten der Samenleiter hinausgespült wurden. 15 bis 20 Samenergüsse sind im Schnitt nötig, bis du ohne Bedenken vor einer ungewollten Schwangerschaft Sex haben kannst. Manchmal kommt es auch vor, dass die Samenleiter wieder zusammenwachsen. Das muss durch den*die Ärzt*in bei Untersuchungen im ersten Jahr überprüft werden. Und bedenke: Vor Krankheiten schützt die Vasektomie natürlich nicht.

Eine Vasektomie kostet circa 400 bis 500 Euro. Die Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen, weil für den Eingriff keine medizinische Notwendigkeit besteht. Das klingt erst mal nach viel Kohle, aber nach einmal Schnipp-Schnapp bleibst du, wenn du willst, für immer zeugungsunfähig. Wie sich eine Vasektomie anfühlt und wie’s danach ist, kannst du in diesem Text nachlesen.

Verhütungsmethoden für den Mann, die zurzeit noch in Entwicklung sind

Neben diesen zwei Verhütungsmethoden für den Mann tüfteln Forscher*innen an weiteren Ideen. Zum Beispiel hat Dirk Baranek aus Brandenburg ein Samenleiter-Ventil erfunden. Es ist so groß wie ein Gummibärchen und erlaubt es, dass der Spermienhahn ab- und aufgedreht werden kann. Bisher haben sich allerdings nicht genug Investor*innen gefunden, um das Samenleiter-Ventil auf den Markt zu bringen.

Vielversprechender sieht das sogenannte Vasalgel aus. Die Idee ist, ein Gel in den Samenleiter zu spritzen, das sich dort an den Wänden festsetzt und haften bleibt. Wenn Spermien vorbeikommen, tötet das Gel die Samenzellen ab – und die Eizelle kann nicht befruchtet werden. Das Praktische an dieser Methode wäre, dass eine Injektion maximal zehn Jahre vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen würde. Derzeit werden noch Tests durchgeführt.

Auch Spritzen und Pillen für den Mann sind in Entwicklung. Allerdings scheiterte deren Marktreife meist an den Nebenwirkungen. Die Spritzen sorgten bei den Probanden für Akne oder Stimmungsschwankungen. Die Hormone in der Pille führten zu Migräne, Abnahme der Libido, Depressionen und Thrombose.

Allerdings sind all das auch Nebenwirkungen, die Frauen bekommen können, wenn sie die Hormonkeule Pille schlucken. Die Aufregung fällt jedoch deutlich geringer aus. Immerhin brummt das Geschäft der Pharmaindustrie prächtig, und die Frauen sind es ja eh gewohnt, sich um die Verhütung zu kümmern und die Nebenwirkungen zu ertragen – warum dann noch Produkte für den Mann entwickeln? Ganz einfach: Weil es gerecht ist.

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