Wie schlimm ist Onlineshopping für die Umwelt?

Kleidung, Bücher, Lebensmittel: Mittlerweile kaufen wir einen Großteil unserer Ware im Internet. Aber ist das eigentlich nachhaltig?

Auf dem Bild sieht man einen gelben Post-Transporter, der durch die Landschaft fährt.

Zahlreiche Lieferwagen sind täglich in ganz Deutschland unterwegs, um Pakete zuzustellen. Was tun wir damit der Umwelt an? Foto: Sebastian Kahnert/dpa


Die sogenannte Kurier-, Express- und Paketbranche, kurz KEP, kümmert sich um deine Onlinebestellungen. Und nicht nur um deine: Im vergangenen Jahr beförderten die Paketlieferdienste fast zwölf Millionen Sendungen an Unternehmen und Endverbraucher*innen – und das pro Tag. Daran hängen lange Transportwege, viele LKW und Tankladungen, außerdem eine Menge Verpackungsmaterial. Wie umweltfreundlich also ist Onlineshopping eigentlich? Hier die Antworten auf ein paar der großen Fragen zum Paketversand.

Welchen Weg legen deine Pakete zurück?

„Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.“ Sätze wie diese liest man oft in der Sendungsverfolgung. Aber was heißt das jetzt genau? Welche Stationen macht mein Paket zwischen dem Onlineversandhandel und meiner Haustür, in wie viele LKW wird es dabei verladen, wie viele Kilometer legt es zurück?

Gehen wir mal davon aus, du hast neue Kleidung bei der Zentrale eines Versandhändlers in Berlin bestellt, zu deiner Wohnung in München. Nach dem Onlinekauf wird dein Paket bei dem*der Händler*in von einem Versandunternehmen abgeholt oder dort abgegeben, bei einer Postfiliale etwa oder einem Paketshop. Von dort kommt es erstmal zu einer Zustellbasis. Hier landen alle Pakete derselben Region. Sie liegt meist irgendwo auf halber Strecke zum Paketzentrum, dem nächsten Halt. In der Sendungsverfolgung taucht dieser Schritt selten bis nie auf.

Das überregionale Paketzentrum, zu dem es im Anschluss geht, könnte für dein Paket zum Beispiel das Frachtzentrum Börnicke in Berlin-Nord sein. Es hat zum jetzigen Zeitpunkt etwa 60 Kilometer zurückgelegt. Im Paketzentrum wird deine Bestellung sortiert und kommt mit Paketen desselben Ziels per LKW in das nächste Paketzentrum – und zwar in der Nähe des*der Empfänger*in. Nehmen wir weiterhin an, du wohnst in München, liegt die Station für dein Paket in Aschheim, im Münchner Nordosten, etwa 600 Kilometer von Börnicke entfernt. Bei vielen Paketzusteller*innen legt der LKW einige Zwischenstopps ein, um bei anderen Paketzentren Pakete mit demselben Ziel einzuladen. Das soll verhindern, dass von überall nur halbvolle LKWs eintreffen.

Vom Paketzentrum Aschheim geht es weiter zur Zustellbasis, irgendwo in München. Weitere 20 bis 25 Kilometer. Hier landen abends übrigens auch wieder alle Pakete, die nicht bei dem*der Empfänger*in zugestellt werden konnten. Der*die Paketbot*in lädt seine jeweiligen Pakete dort in seinen*ihren Transporter ein und fährt damit bis vor deine Haustür. Und wenn dir deine bestellte Ware zu Hause vorm Spiegel doch nicht mehr gefällt? Dann geht’s retour – und zwar auf dem gleichen Weg in entgegengesetzter Richtung. Wieder um die 700 Kilometer in fünf LKWs und Transportern.

Welche Ressourcen werden bei der Bestellung verbraucht?

700 Kilometer in fünf Wagen für ein Paket von Berlin nach München. Wie viele Ressourcen gehen bei dieser Sendung drauf? Grundsätzlich hängt die CO2-Emission von vielen Faktoren ab: Wo hast du bestellt, woher kommt das Paket, wohnst du in der Stadt oder auf dem Land? Mit wie vielen anderen Paketen wird deine Sendung ausgeliefert? Eine klare Durchschnittszahl lässt sich schwer beziffern. Aber es gibt eine ungefähre: Laut DHL verursacht ein einzelnes Paket im Schnitt 500 Gramm CO2, laut Öko-Institut sind es 600. Beides gilt aber nur dann, wenn das Paket durch Erstzustellung im eigenen Zuhause landet. Interessant ist, was das Öko-Institut darüber hinaus befindet: Laut ihren Berechnungen soll der Onlineeinkauf günstiger sein als der Kauf im Laden. Die Rechnung geht allerdings nur dann auf, wenn sämtliche Geschäfte schließen. Denn der große CO2-Fresser ist der Energieverbrauch in den Filialen.

Nur jedes zweite Paket, so hat es die Unternehmensberatung A.T. Kearney festgestellt, kann beim ersten Versuch zugestellt werden. Nimmt der*die Paketbot*in es danach wieder mit und muss es am nächsten Tag erneut versuchen, erhöht sich der ökologische Fußabdruck. Ist er*sie erst beim dritten Versuch erfolgreich, hat das Paket bereits über 1.100 Gramm CO2 verursacht. Zum Vergleich: Das entspricht etwa einer lauwarmen Dusche. Nicht so viel also, könnte man meinen. Allerdings ist das nur die ungefähre CO2-Bilanz für den reinen Transport. Und nur die eines Pakets von täglich zwölf Millionen.

Was ist eigentlich mit dem Paket selbst? Der Verbrauch an Verpackungsmaterialien ist in den vergangenen Jahren gestiegen – und zwar um 37 Prozent in den letzten drei Jahren. So heißt es in einer Studie von 2019 im Auftrag des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK). Was bedeutet das? Im Jahr 2016 haben Versandkartons in Deutschland 769.000 Tonnen Müll verursacht. Das war mehr als der gesamte jährliche Haushaltsabfall von 1,6 Millionen Deutschen – also in etwa so viel Müll, wie alle Bewohner*innen von München in einem Jahr produzieren. Die BIEK gibt auch an, dass viele Sendungen Leeranteile von bis zu 50 Prozent aufweisen. Die Pakete sind oft größer als notwendig und enthalten Füllmaterial wie Styropor und Luftpolsterfolie.

Was passiert mit deiner Rücksendung?

Jedes sechste Paket der Deutschen ging 2018 zurück an den*die Absender*in, etwa 280 Millionen Sendungen waren es insgesamt. Mit dieser Menge könnte man, würde man die Pakete aneinanderlegen, ganze 2,86 Mal die Erde umrunden. Aber was passiert mit den ganzen Rücksendungen? Insbesondere Amazon geriet in letzter Zeit in Kritik. Viele der Retourpakete, die Neuware enthielten, würden einfach vernichtet, wie diese Doku des ZDF zeigt.

Eine Forschungsgruppe der Universität Bamberg hat untersucht, was der Versandhandel mit den Rücksendungen macht. Das Ergebnis: Verlässliche Daten zu finden, ist schwer. Die großen Versandhäuser machen aus Retourpaketen eher ein Geheimnis. Die Forscher*innen gehen aufgrund der ihnen verfügbaren Informationen davon aus, dass etwa vier Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll landen – das entsprach 2018 11,2 Millionen Paketen. Zu einer Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent werde meine Rücksendung als sogenannte A-Ware direkt weiterverkauft, zu 13 Prozent als B-Ware zum verminderten Preis, so die Forscher*innen. Und zu drei Prozent gehe sie an industrielle Verwerter oder würde an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Wie kannst du’s besser machen?

Du verursachst also mit jeder Onlinebestellung etwa 500 Gramm CO2-Ausstoß, schickst mehrere Transportwagen über Hunderte von Kilometern durch Deutschland oder Europa und riskierst mit einer Rücksendung, dass die von dir bestellte Neuware direkt auf dem Müll landet. Wie also kannst du den von dir persönlich verursachten Umweltschaden minimieren?

Die einfache Lösung ist wohl: wenig bis gar nichts online bestellen, sondern im Geschäft shoppen. Und den Weg in die Stadt am besten mit Fahrrad oder Bahn bestreiten. Wer weiter online bestellen will, kann dabei ein paar Dinge beachten. Zum Beispiel das Problem der sogenannten letzten Meile: Die Mehrfachzustellung von Paketen, weil der*die Empfänger*in nicht zu Hause ist. Um das zu vermeiden, kannst du bei einigen Anbietern eine bevorzugte Lieferzeit einstellen. Alternativ kannst du dir die Pakete zur Postfiliale oder zu einer Packstation in deiner Nähe liefern lassen. Oder: Bestellungen an den Arbeitsplatz. Es gibt Zustelldienste, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen private Sendungen gemeinsam mit Firmenpaketen ausliefern. Weil die ohnehin fast täglich in größeren Mengen kommen, könnte sich so die individuelle Emission des privaten Pakets laut dem Anbieter Pakadoo auf 58 Gramm CO2 reduzieren (PDF).

Du verursachst mit jeder Onlinebestellung etwa 500 Gramm CO2-Ausstoß und schickst mehrere Transportwagen über Hunderte Kilometer durch Deutschland oder Europa.

Einige Zusteller bieten außerdem klimaneutrale Lieferungen an, mit hübschen Namen wie GoGreen oder carbon neutral oder WeDo. Das heißt nicht, dass dein Paket plötzlich keine Emissionen mehr verursacht. Sondern, dass der CO2-Ausstoß bestmöglich minimiert und die unvermeidbare Klimabelastung vom Paketdienst auf andere Weise ausgeglichen wird, zum Beispiel durch die Unterstützung von Klimaprojekten. Dafür zahlst du beim Versand einen kleinen Aufpreis. Übrigens nicht bei DPD: Das Unternehmen transportiert mittlerweile jedes Paket klimaneutral.

Um Rücksendungen zu vermeiden, kannst du bei Bestellungen darauf achten, nicht etwa ein Paar Schuhe zur Anprobe in mehreren Größen zu bestellen. Außerdem geben auch viele Anbieter die Möglichkeit, Produkte nicht schnellstmöglich nach Verfügbarkeit, sondern gesammelt in einer Sendung zu liefern. Dann musst du zwar vielleicht ein oder zwei Tage länger auf dein Paket warten, kannst aber Emissionen sparen.

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